Kiew

Kiew

29.06.2018-01.07.2018

Am letzten Juni Wochenende in 2018 waren wir in Kiew. Wir sind ab Köln mit Wizzair nach Kiew-Schuljany geflogen. Wir haben einen ganzen Tag in Tschernobyl verbracht und dort viele Hintergründe über den Unfall im Kernkraftwerk 1986 erfahren. Den zweiten Tag haben wir in Kiew verbracht.

Der Flughafen Kiev-Schuljany (für die low cost airlines) ist sehr zentral in Kiew gelegen und somit kommt ihr super leicht und günstig mit dem Taxi in die Stadt. Wir haben das ganze Wochenende Uber benutzt. Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt (und andersherum) dauert ca. 15 Minuten und kostet gerade mal 80-100 UAH (ca. 2,60€ – 3,25€).

In der Ukraine zahlt ihr mit Hrywnja (1€=30,65 UAH).

 

REISEBERICHT


Tschernobyl

Um mehr über die Katastrophe von Tschernobyl von vor 32 Jahren zu erfahren, haben wir eine geführte Tour nach Tschernobyl gemacht. Es ist super interessant und wenn man vor Ort ist kann man sich die Situation von damals etwas besser vorstellen. Hier erfahrt ihr mehr über den Ablauf der Tour.

Kurzzusammenfassung Tschernobyl

Am 26. April 1986 ist der Reaktor von Block 4 in dem Kernkraftwerk Tschernobyl explodiert. Eigentlich sollte nur ein Versuch durchgeführt werden wie sich das Kernkraftwerk bei einem Stromausfall verhält. Das Experiment musste allerdings unterbrochen werden und wurde erst nachts fortgeführt. Das Experiment und somit der Reaktor geriet außer Kontrolle und es kam zu der Explosion und es wurden radioaktive Materialien freigesetzt.

Erst anderthalb Tage später wurde die Bevölkerung über das Ausmaß der Katastrophe informiert und evakuiert. Vor allem die Stadt Pripjat war von der Radioaktivität betroffen und alle 47.000 Einwohner mussten evakuiert werden und ihr Zuhause verlassen. Insgesamt wurden 300.000 Menschen umgesiedelt, die in der Sperrzone von 30 km lebten. Auch außerhalb der 30 km Zone waren viele Gebiete hoch verstrahlt ohne dass die Bevölkerung etwas davon wusste.

Um die Radioaktivität von dem zerstörten Reaktor einzudämmen wurde bis Herbst 1986 ein Sarkophag aus Beton um den Reaktor gebaut. Dieser sollte 20-30 Jahre lang halten und die Strahlung abhalten. In 2015/2016 wurde eine neue Schutzhülle gebaut. Diese soll nun 100 Jahre halten.

Tagestour Tschernobyl

Die Tour haben wir über Get a Guide gebucht (Kosten: 68€). Durchgeführt wurde die Tour von dem Anbieter Go2Tschernobyl.com. Der Treffpunkt war bei uns in der Nähe vom Hotel und die Tour sollte um 8:00 Uhr starten. Per E-Mail wurden wir vorher noch informiert, dass wir schon um 7:20 Uhr am Treffpunkt sein sollen. Ihr könnt für 300 UAH ein Mittagessen buchen und für 200 UAH einen Geigerzähler mieten um die Radioaktivität zu messen.

Wir waren ungefähr 15 Personen in der Tour und haben mehrere Stopps in der 30 km Zone und in der 10 km Zone gemacht und sind bis ca. 200m an den Reaktor 4 mit dem neuen Sarkophag herangekommen. Während der Tour haben wir die ganze Zeit unseren Geigerzähler beobachtet und dieser ist extrem ausgeschwenkt. Die Radioaktivität ist sehr fleckenartig in der Gegend vorhanden. Am Anfang der Tour hatten wir 0,1-0,2 MikroSievert pro Stunde. Der Höchstwert war an einem verlassenen Kindergarten 20 MikroSievert pro Stunde. Der Grenzwert liegt eigentlich bei 0,3 MikroSievert pro Stunde.

Verwunderlich ist, dass direkt an dem Reaktor nur eine Strahlung von 0,60 MikroSievert besteht. Der Sarkophag hält die Strahlung sehr gut ab. Vor allem der Wald Red Forest direkt in der Nähe des Kernkraftwerks ist noch völlig verstrahlt und ist immer noch Sperrzone.

Militärgebiet „Tschernobyl 2“

In der Tour besuchten wir auch das geheime Militärgebiet „Tschernobyl 2“ mit seinen zwei riesigen Radaranlagen. Die Radaranlage unterlag strenger militärischer Geheimhaltung und war als Kinderferienlager getarnt. Selbst die Bewohner der nahegelegenen Stadt Pripjat wussten damals nicht genau was sich auf dem Gelände befindet. Die Radaranlage wurde von den Russen benutzt um den Einsatz von strategischen Waffen des potentiellen Gegners frühzeitig zu erkennen. Nach der Katastrophe im Atomkraftwerk konnte die riesige Radaranlage nicht einfach abgebaut werden. Eine Sprengung könnte zu einem Erdbeben in der Sperrzone führen und die im Erdreich gebundene Radioaktivität würde wieder frei werden.

Ablauf der Tour:

  • 07:20 Treffpunkt
  • 08:00 geplante Abfahrt
  • 08:30 Abfahrt
  • 10:35 Ankunft erster Checkpoint (Passkontrolle)
  • 11:00 Start der Tour in Tschernobyl
  • 17:15 Ende der Tour
  • 18:00 „Checkout“ an den Checkpoints
  • 20:00 Kiew

Stopps in der Tour:

  • Tschernobyl City
  • Memorial
  • Military Station
  • Kindergarten
  • Pripjat
  • Marktplatz
  • Jahrmarkt
  • Polizei und „Autofriedhof“

 

Impressionen der Tour

Wichtig: Ihr müsst euren Reisepass mitnehmen um Tschernobyl zu besuchen!

Die Toiletten in Tschernobyl sind übrigens eher dürftig und nicht wirklich sauber. An den Checkpoints am Anfang gab es überhaupt kein Wasser (weder für die Spülung noch im Waschbecken) und innerhalb von Tschernobyl könnt ihr nur einigermaßen ordentlich beim Mittagessen die Toiletten benutzen. Am Militärgelände gab es noch eine Toilette (bzw. Loch im Boden) welches aber auch nicht nett anzusehen war. Daher unbedingt Taschentücher und Desinfektionsgel mitnehmen.

Kiew

Am Sonntag haben wir dann noch bis frühen Nachmittag Zeit gehabt uns Kiew anzusehen. Kiew hat an sich nicht viel zu bieten. Es gibt viele sehr schöne Kirchen und in der Altstadt gibt es einige schöne Altbauten. Allerdings gibt es auch viele unschöne Hochhäuser.

St. Sophia Cathedral

Auf unserem Spaziergang Richtung St. Sophia Cathedral sind wir zuerst an der Wladimirs Cathedral vorbeigekommen. Die Wladimirs Cathedral erstrahlt in seinem gelben Außenanstrich. Die St. Sophia Cathedral ist an einem schönen Vorplatz gelegen und ihr betretet das Gelände durch den wunderschönen Glockenturm. Der Eintritt auf das Gelände kostet 20 UAH. Die Kirche in der Mitte des Geländes mit seinen grünen mit Gold verzogenen Kuppel strahlt Ruhe aus. Das Gelände ist nicht überlaufen und ihr könnt in Ruhe drüber schlendern. Bei guten Wetter kann man sonst auch eine kleine Pause auf den Bänken einlegen.

St. Michael‘s Cathedral

Weiter ging es zur nächsten Kirche, die schon von der St. Sophias Cathedral aus zu sehen ist. Die St. Michael‘s Cathedral erstrahlt in blau mit prunkvollen goldenen Kuppeln. Die Kirche zählt zu den wichtigsten orthodoxen Kirchen in der Ukraine. Der Eintritt auf das Gelände ist frei. Hier herrscht auch direkt mehr Trubel als in der St. Sophia Cathedral. Wir konnten auch einen kurzen Blick in die Kirche werfen. Hier fand gerade ein Gottesdienst statt. Allerdings sind die Leute trotzdem einfach ein und ausgegangen. Wir haben das Gelände an dem Ausgang der Trokhsiavtytelska Straße verlassen. Hier liegt ein wunderbares kleines Café in dem wir uns etwas aufgewärmt haben. (Trotz Juni hatten wir nämlich nur leider 14 Grad und grauen Himmel.)

Unabhängigkeitsplatz Majdan

Weiter ging es zu dem berühmten Unabhängigkeitsplatz Majdan in Kiew. Der Majdan ist der zentrale Platz in der ukrainischen Hauptstadt. Während der Proteste 2004 gegen den Wahlbetrug bei den ukrainischen Präsidentschaftswahlen und der Bürgerproteste 2013 und 2014 wurde der Platz von den Demonstranten besetzt.

Höhlenkloster

Mit Uber sind wir dann vom Unabhängigkeitsplatz zum Höhlenkloster gefahren (55 UAH). Das Höhlenkloster ist eine Ansammlung von mehreren Klöstern. Die ganze Anlage glänzt mit seinen orthodoxen Kirchen mit goldenen Kuppeln. Der Eintritt kostet 30 UAH. Wir sind wohl nicht durch den Haupteingang, sondern durch eine Art Nebeneingang gegangen und haben erst mal etwas den richtigen Eingang gesucht. Wir sind dann den Berg hinunter links auf einen anderen Kirchenhof gelandet. Hier sind wir dann erst einmal dem Schild zu den „Caves“ gefolgt. Denn das besondere an dem Höhlenkloster sind die unterirdischen Gänge mit den Leichen der Gründungsväter in gläsernen Särge. In den Höhlen müsst ihr euren Kopf mit einem Schal oder Hut bedecken (bei mir reichte auch die Kapuze der Jacke) und eure Knie müssen bedeckt sein.

Nach dem Höhlenkloster ging es schon direkt zum Flughafen und 2 spannende Tage in Kiew waren vorbei. Vor allem Tschernobyl hat uns sehr beeindruckt und für die Tour müsst ihr auch einen ganzen Tag einplanen. Für Kiew reicht ein halber Tag.

Viel Spaß bei eurem Trip!

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